Camping & Vanlife

Strom im Camper: Autarkie mit Ladebooster, Solar und Landstrom

So laden Lichtmaschine, Sonne und Steckdose die Aufbaubatterie, wie du den Tagesverbrauch berechnest und welche Batteriegröße passt.

Redaktion Batterieladegerät-Ratgeberaktualisiert am 7 Min. Lesezeit

Kurz gesagt

Ein Camper lädt seine Aufbaubatterie aus drei Quellen: über die Lichtmaschine mit Ladebooster, über Solarmodule mit Laderegler und über Landstrom mit Ladegerät. Ein kleines Wohnmobil für zwei Personen braucht laut ADAC-Beispiel 480 Wattstunden pro Tag, mindestens 200 Watt Solar und rund 120 Amperestunden Speicher.

Inhalt
  1. Woher bekommt die Aufbaubatterie im Camper ihren Strom?
  2. Lichtmaschine: Ladebooster oder Trennrelais?
  3. Solar: Strom im Stand
  4. Landstrom: Ladegerät am Stellplatz
  5. Die Tagesbilanz in 4 Schritten: Wie viel Strom brauchst du?
  6. Welche Batteriegröße brauchst du?
  7. Wie spielen Ladebooster, Solar und Landstrom zusammen?
  8. Checkliste: Ist dein Camper-Stromsystem komplett?
  9. Das Wichtigste in Kürze
  10. Häufige Fragen

Autark stehst du, wenn Erzeugung, Speicher und Verbrauch zusammenpassen. Drei Quellen laden die Aufbaubatterie im Camper: Lichtmaschine, Sonne und Steckdose. Dieser Beitrag erklärt jede Quelle, rechnet einen Tagesverbrauch durch und zeigt, wie groß die Batterie sein muss. Vor einer längeren Standzeit hilft die Checkliste Wohnmobil überwintern.

Woher bekommt die Aufbaubatterie im Camper ihren Strom?

Die Aufbaubatterie lädt über drei Wege: während der Fahrt über die Lichtmaschine, im Stand über Solarmodule und am Stellplatz über Landstrom. Die Aufbaubatterie versorgt Licht, Wasserpumpe, Kühlbox und Elektronik im Wohnbereich. Sie ist von der Starterbatterie getrennt, damit der Motor immer anspringt.

Ladequelle Gerät Richtwert Wann sie lädt
Lichtmaschine Ladebooster oder Trennrelais 30 A Ausgangsstrom beim Victron Orion-Tr Smart 12/12-30 Nur bei laufendem Motor
Solar Solarladeregler Mindestens 200 W für ein kleines Wohnmobil (ADAC) Bei Tageslicht, auch im Stand
Landstrom 230-Volt-Ladegerät Platz mit 4, 6, 10 oder 16 A abgesichert Am Stromanschluss des Platzes

Lichtmaschine: Ladebooster oder Trennrelais?

Ein Ladebooster lädt die Aufbaubatterie sauber, auch wenn die Lichtmaschine zu wenig Spannung liefert. Ein Trennrelais verbindet nur beide Batterien. Der Ladebooster ist ein Gleichspannungswandler zwischen Starter- und Aufbaubatterie, der die Ladespannung selbst regelt. Das Trennrelais koppelt beide Batterien, sobald der Motor läuft, und trennt sie beim Abstellen, damit die Starterbatterie nicht leerläuft.

Der Unterschied zählt bei neuen Fahrzeugen. Victron schreibt im Datenblatt des Orion-Tr Smart: Eine intelligente Lichtmaschine der Klassen Euro 5 oder Euro 6 liefert oft eine zu niedrige Ladespannung, selbst wenn der Motor läuft. Lange Kabel im Wohnmobil verschärfen das durch Spannungsabfall. Der ADAC rät deshalb zum Ladebooster und nennt kurze Leitungen mit großem Querschnitt als Grundlage.

Bei Lithium-Batterien kommt der Strom dazu. Sie haben einen sehr geringen Innenwiderstand und vertragen höhere Ladeströme als Blei-Batterien. Victron verlangt im Handbuch der Lithium Smart Batterien einen Strombegrenzer zwischen Lichtmaschine und Batterie:

„Verwenden Sie ein Strombegrenzungsgerät wie ein DC-DC-Ladegerät oder einen DC-DC-Konverter“

Victron Energy, Handbuch für Lithium Battery Smart-Batterien, Kapitel Aufladen von einer Lichtmaschine

Welche Geräte es gibt und worauf du bei der Auswahl achtest, zeigt der Überblick Ladebooster fürs Wohnmobil. Rechnerisch bringt ein Booster mit 30 Ampere in einer Stunde Fahrt bis zu 30 Amperestunden in die Batterie. Der Tagesverbrauch aus dem Beispiel unten (40 Ah) ist damit nach gut einer Stunde ersetzt, sofern die Batterie den vollen Strom aufnimmt.

Solar: Strom im Stand

Zwei Solarmodule mit je 100 Watt reichen laut ADAC für ein kleines Wohnmobil. Der Solarladeregler steuert, wie viel Modulstrom in die Batterie fließt. Ob PWM oder MPPT besser passt, erklärt der Beitrag Solarladeregler: MPPT oder PWM.

Der ADAC rechnet vor: An einem sonnenreichen Tag laden zwei Module mit je 100 Watt die Speicherbatterie im kleinen Wohnmobil so voll, dass sie drei Tage ohne Sonne reicht. Wer mehrere Tage ohne Fahrt steht, plant größer. Kühlen und Heizen sind besonders energieintensiv, deshalb ergänzt der ADAC die Solaranlage um eine Gasanlage.

Landstrom: Ladegerät am Stellplatz

Landstrom lädt die Batterie über ein 230-Volt-Ladegerät, das zur Batteriechemie passen muss. Landstrom ist der 230-Volt-Anschluss am Stellplatz oder Campingplatz. Der Stecker ist meist ein blauer CEE-Stecker, den der TCS für 16 Ampere ausgelegt nennt.

Entscheidend ist die Absicherung des Platzes. Fritz Berger nennt 4, 6, 10 oder im besten Fall 16 Ampere. Bei 230 Volt entspricht das etwa 920 bis 3.680 Watt. Schon ein Wasserkocher oder ein Föhn neben dem Ladegerät kann die Sicherung auslösen.

Für LiFePO4-Batterien braucht das Ladegerät ein Lithium-Profil. Victron empfiehlt 14,2 Volt Konstantspannung für eine 12,8-Volt-Batterie und 13,5 Volt Erhaltungsspannung. Passende Geräte findest du unter Lithium-Ladegeräte.

Die Tagesbilanz in 4 Schritten: Wie viel Strom brauchst du?

Die Tagesbilanz rechnet aus, wie viele Wattstunden (Wh) deine Verbraucher an einem Tag ziehen. Sie liefert die Basis für Batterie und Solarleistung.

  1. Verbraucher auflisten. Notiere jedes Gerät mit Leistung in Watt und Nutzungszeit pro Tag. Die Leistung steht auf dem Typenschild.
  2. Wattstunden berechnen. Leistung in Watt mal Stunden ergibt Wattstunden pro Tag.
  3. In Amperestunden umrechnen. Teile die Summe durch 12 Volt. Das Ergebnis vergleichst du mit der Batteriekapazität in Ah.
  4. Tage ohne Ladung einplanen. Multipliziere mit der Zahl der Tage, die du ohne Fahrt, Sonne oder Landstrom überbrücken willst.

Die folgende Tabelle ist ein Beispiel mit den Werten aus dem ADAC-Beispiel für ein kleines Wohnmobil mit zwei Personen. Deine Werte weichen ab.

Verbraucher (Beispiel) Leistung Nutzung pro Tag Verbrauch pro Tag
Zwei Smartphones 10 W 5 h 50 Wh
Powerbank 15 W 4 h 60 Wh
Wasserpumpe 60 W 0,5 h 30 Wh
LED-Beleuchtung 30 W 4 h 120 Wh
LED-Fernseher 30 W 2 h 60 Wh
Laptop 40 W 4 h 160 Wh
Summe 480 Wh, das sind 40 Ah bei 12 V

Kühlbox und Heizung fehlen in diesem Beispiel. Rechne sie mit ihren Typenschildwerten dazu.

Welche Batteriegröße brauchst du?

Tagesverbrauch in Ah mal Tage ohne Ladung ergibt die Batteriegröße: 40 Ah mal 3 Tage sind 120 Ah. Das deckt sich mit der ADAC-Empfehlung von rund 120 Ah für das Beispiel. Für den Wohnwagen einer vierköpfigen Familie mit 850 Wh pro Tag (70,8 Ah) nennt der ADAC rund 210 Ah.

Der ADAC empfiehlt LiFePO4-Batterien, weil sie leistungsfähig und leichter sind. Der Grund liegt auch in der Haltbarkeit. Victron gibt für zwei seiner Batteriereihen diese Zyklenzahlen an:

Batterie (Victron-Datenblätter) Zyklen bei 80 % Entladung Zyklen bei 50 % Entladung
12 V Deep Cycle AGM 400 600
12,8 V LiFePO4 Smart 2.500 5.000

Kälte schrumpft die Kapazität: Bei einer Lithium-Smart-Batterie sinken 100 Ah bei 25 °C laut Victron auf 80 Ah bei 0 °C. Im Winter rechnest du größer.

Wie spielen Ladebooster, Solar und Landstrom zusammen?

Alle drei Quellen laden dieselbe Batterie. Damit sie sich nicht widersprechen, bekommen Ladegerät, Solarregler und Ladebooster dasselbe Ladeprofil, bei LiFePO4 also das Lithium-Profil. Victron weist darauf hin, dass du das Profil bei jedem Ladegerät aktiv wählen musst. Ein Batteriemonitor zeigt den Ladezustand, denn er wird nicht in der Batterie selbst berechnet.

In der Praxis lädt auf dem Campingplatz der Landstrom, beim Stehen im Freien die Sonne und auf der Fahrt der Ladebooster.

Checkliste: Ist dein Camper-Stromsystem komplett?

  • Tagesbilanz in Wattstunden berechnet und in Ah umgerechnet.
  • Batterie nach der Formel Tagesverbrauch mal Tage ohne Ladung gewählt, bei Kälte mit Reserve.
  • Ladebooster eingeplant, wenn die Lichtmaschine intelligent regelt oder eine Lithium-Batterie lädt.
  • Solarleistung zum Verbrauch gewählt, im Beispiel 200 Watt für 480 Wh.
  • Ladegerät für Landstrom, alle Ladequellen auf dasselbe Batterieprofil eingestellt.
  • Sicherungen und Hauptschalter von einer Fachkraft geprüft.

Das Wichtigste in Kürze

  • Drei Quellen: Lichtmaschine mit Ladebooster, Solar mit Laderegler, Landstrom mit Ladegerät.
  • Batterie: 480 Wh pro Tag sind 40 Ah bei 12 Volt, mal 3 Tage ergibt 120 Ah, wie vom ADAC empfohlen.
  • Solar: mindestens 200 Watt für das Beispiel, zwei Module mit je 100 Watt.
  • Ladebooster: 30 Ampere Ausgangsstrom, am Eingang rund 35 Ampere.
  • Landstrom: Plätze mit 4 bis 16 Ampere abgesichert, Lithium-Profil mit 14,2 Volt.
  • Einbau: Ladebooster und 230-Volt-Technik gehören in die Hände einer Elektrofachkraft.

Häufige Fragen

Brauche ich einen Ladebooster oder reicht ein Trennrelais?

Bei Fahrzeugen mit intelligenter Lichtmaschine (Euro 5 oder Euro 6) und bei Lithium-Batterien ist ein Ladebooster die richtige Wahl. Victron nennt für Lithium einen Strombegrenzer zwischen Lichtmaschine und Batterie. Ein Trennrelais verbindet nur beide Batterien.

Wie viel Solarleistung brauche ich für 480 Wattstunden pro Tag?

Der ADAC empfiehlt für dieses Beispiel mindestens 200 Watt, also zwei Module mit je 100 Watt. Bei 850 Wattstunden pro Tag nennt er 400 Watt.

Welche Batteriegröße passt zur Tagesbilanz in 4 Schritten?

Rechne Tagesverbrauch in Ah mal Tage ohne Ladung. Bei 40 Ah pro Tag und drei Tagen sind das 120 Ah. Plane im Winter mehr ein, weil die Kapazität bei Kälte sinkt.

Wie lange lädt ein Ladebooster mit 30 Ampere?

Rechnerisch bringt er 30 Amperestunden pro Stunde Fahrt in die Batterie. Der Tagesverbrauch von 40 Ah ist damit nach gut einer Stunde ersetzt. In der Praxis hängen Dauer und Strom vom Ladezustand der Batterie ab.

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